Die Heuschrecken im Bezirk Wasseramt (Kanton Solothurn)
Inventaraufnahme 1988 bis 1992
von Konrad Eigenheer
Adresse des Autors:
Konrad Eigenheer, käufmännischer Angestellter
Kreuzmattweg 6
4563 Gerlafingen
Zusammenfassung
Von 1988 bis 1992 wurde der Bezirk Wasseramt (Kanton Solothurn) flächendeckend auf seine Heuschreckenvorkommen abgesucht und ihre Fundorte auf einer Karte eingetragen. Die Ergebnisse werden zusammenfassend dargestellt mit Angabe von Verbreitung, Lebensraum und Gefährdung aller 24 gefundenen Heuschreckenarten. Zusätzlich wird die Verbreitung nach Gemeinden in einer Übersicht dargestellt und die Koordinaten aller Fundorte der seltenen Arten aufgelistet.
Summary
From 1988 to 1992 the total surface of the district of Wasseramt (canton of Soleure) was combed for the occurrence of grasshoppers. The sites were registred on a map. The results are presented in a condensed form, detailling the spred and living space of all the 24 discovered grasshopper species as well as the factors endangering their lives. Further, a survey shows the distribution by commune and lists the coordinates of all the places where rare species have been found.
Résumé
De 1988 à 1992, la surface entière du district du Wasseramt (canton de Soleure) fut fouillée pour déterminer les endroits où vivent des sauterelles. Ces endroits furent répertoriés sur une carte. L'article présente une synthèse des résultats de l'investigation avec les places découvertes et les biotopes de toutes les 24 espèces de sauterelles ainsi que les dangers les menaçant. En outre, un aperçu général présente la distribution par commune et les coordonnées de tous les habitats des espèces rares.
Heuschrecken sind auffällige Insekten, die wie die Tagfalter und Libellen recht gut bekannt sind. In der Schweiz kommen etwa 115 Arten vor. Die Artenvielfalt ist im Mittelland wie bei den Tagfaltern infolge der Industrialisierung und der Intensivierung in der Landwirtschaft bescheiden geworden. Heuschrecken eignen sich gut für die Bewertung von Lebensräumen, da es unter ihnen gute Indikatorarten gibt. Zudem kann beim Vorkommen der Arten meist von einer längerfristigen Bodenständigkeit ausgegangen werden, da Heuschrecken wegen ihrer eingeschränkten Flugfähigkeit nicht so mobil sind wie die meisten anderen Insekten.
Die Heuschrecken (Saltatoria) gehören zusammen mit weiteren Insektenordnungen (z.B. Mantodea mit der Gottesanbeterin) zu den Geradflüglern (Orthoptera). Man unterteilt die Heuschrecken in zwei Unterordnungen, die Langfühlerschrecken (Ensifera) und die Kurzfühlerschrecken (Caelifera). Wie der Name schon sagt, besitzen die Langfühlerschrecken lange Fühler (mindestens Körperlänge) und die Kurzfühlerschrecken kurze Fühler (kürzer als Körperlänge). Als weiteres Merkmal haben die Langfühlerschrecken im weiblichen Geschlecht eine lange Legeröhre, welche den Kurzfühlerschrecken fehlt. Eine Ausnahme bildet die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa), welche zu den Langfühlerschrecken gehört, aber weder lange Fühler noch eine lange Legeröhre besitzt. Auch im Gesang (Stridulation) gibt es deutliche Unterschiede zwischen den beiden Unterordnungen. Die Kurzfühlerschrecken erzeugen die Lautäusserung durch Reiben der Hinterschenkel über die Flügel. Bei den Langfühlerschrecken entsteht der Gesang durch Reiben der Vorderflügel gegeneinander (Abbildung 1).
Der Gesang macht denn auch die Heuschrecken so interessant. Ist es nicht faszinierend, in einer Wiese zu stehen und sich von den Heuschrecken deren Artenzusammensetzung ins Ohr flüstern zu lassen? Freilich lassen sich so nicht ganz alle Arten aufspüren, doch bekommt man eine gute Übersicht vom vorhandenen Artenspektrum und somit von der Qualität der Wiese.
Im Sommer 1987 lernte ich die Heuschrecken mit Hilfe des Bestimmungsbuches und der dazugehörenden Tonbandkassette von BELLMANN (1985) kennen. Sie weckten in mir den Wunsch zu erfahren, welche Arten in meinem Wohnbezirk leben. Deshalb nahm ich im folgenden Jahr ein flächendeckendes Inventar des Wasseramtes in Angriff. Gegenwärtig ist auch ein Verbreitungsatlas der Orthopteren der Schweiz durch das Centre suisse de cartographie de la faune, Neuchâtel, in Arbeit. Aus der Literatur ist mir nur eine Arbeit bekannt, welche die Verbreitung der Heuschrecken im Wasseramt betrifft; FRUHSTORFER (1921). Er bezieht sich aber nur auf die Umgebung des Burgäschisees.

Rechter Vorderflügel einer Feldgrille (Männchen)
Der Gesang entsteht dadurch, dass eine Schrillleiste auf der Unterseite des oberen Flügels über eine Schrillkante am unteren Flügel gerieben wird. Durch zwei grosse membranöse Flächen, die Harfe und den Spiegel, wird der Ton verstärkt (bei einigen anderen Langfühlerschrecken nur durch den Spiegel).
Das Untersuchungsgebiet (UG) umfasst den Bezirk Wasseramt im Kanton Solothurn. Es befindet sich unmittelbar südlich und südöstlich von Solothurn. Im nördlichen Teil wird es auf einer langen Strecke durch den Lauf der Aare begrenzt. Das Wasseramt umfasst 24 Gemeinden mit einer Gesamtfläche von rund 77 km2. Die Meereshöhe liegt zwischen 421 m und 595 m ü. M. Etwa 25% der Fläche ist von Wald bedeckt. Der zentrale Teil ist dicht besiedelt, während die äusseren Regionen einen mehr ländlichen Charakter aufweisen. Es handelt sich um eine typische, intensiv genutzte Landschaft des schweizerischen Mittellandes.
Durch Begehung von fast jeder Strasse und jedes Weges konnte ich das UG ziemlich flächendeckend kartieren. Zu Beginn der Aufnahme suchte ich jede Grünlandfläche ab. So gewann ich mit der Zeit die Erfahrung, welche Lebensräume für Heuschrecken in Frage kommen. Ich begann, die Lebensräume zu selektieren und nur noch die guten Heuschrecken-Biotope intensiv abzusuchen. die Inventaraufnahme der restlichen Grünflächen, die keine oder nur triviale Arten vermuten liessen, erfolgte so, dass ich langsam radfahrend die wegnahen Flächen nach stridulierenden Heuschrecken abhorchte. Auf diesen Flächen machte ich jedoch auch regelmässig Stichproben zu Fuss.
Die Heuschreckenfundorte wurden als Punkte auf der Landeskarte 1:25 000 übertragen, ohne deren Häufigkeit zu berücksichtigen. Beim Gemeinen Grashüpfer (Chorthippus parallelus) und beim Nachtigallgrashüpfer (Chorthippus biguttulus) verzichtete ich aus Zeitgründen schon kurz nach Beginn des Inventares auf eine Kartierung, da die beiden Arten auf Grünlandflächen noch häufig vorkommen. Ab und zu machte ich mir auch Notizen über die Lebensräume der verschiedenen Arten.
Die flächendeckende Kartierung führte ich jeweils zwischen Ende Juli und Anfang September 1988-91 durch. In dieser Jahreszeit sind fast alle Heuschrecken erwachsen. Zusätzliche Begehungen erforderten die Maulwurfs- und Feldgrille (Gryllus campestris) sowie teilweise die Dornschrecken (Tetrigidae), welche hauptsächlich im Mai und Juni als Imago (fortpflanzungsfähiges Stadium) auftreten. Die Feldgrille konnte ich dank ihrem weit hörbaren Gesang mit relativ geringem zusätzlichem Zeitaufwand kartieren. Bei der Maulwurfsgrille verzichtete ich auf eine flächendeckende Kartierung, da sie weniger laut und hauptsächlich in der Abenddämmerung singt, was einen riesigen zusätzlichen Aufwand erfordert hätte. Für die Dornschrecken, ausgenommen der Säbeldornschrecke (Tetrix subulata), führte ich im Frühjahr 1992 eine Nachsuche durch, da ich in den Jahren zuvor fast nur unbestimmbare Jungtiere (Larven) antraf.
Zur Artbestimmung verwendete ich nur ausgewachsene Tiere. Der Einfachheit halber verliess ich mich dabei hauptsächlich auf die Stridulation der Männchen. Die Arten lassen sich so viel schneller erfassen als dies durch Einfangen möglich wäre. Dafür musste ich mich an gutes Wetter und die ideale Tageszeit (etwa 11 bis 17 Uhr) halten. Einige Arten, welche sehr leise, zu einer anderen Tageszeit oder gar nicht stridulieren, musste ich visuell erfassen. Solche Arten sind jedoch ziemlich leicht zu übersehen. Dazu gehören die Laubholz-Säbelschrecke (Barbitistes serricauda), die Punktierte Zartschrecke (Leptophyes punctatissima), die Gemeine Eichenschrecke (Meconema thalassinum), alle Dornschrecken (Tetrigidae) und die Lauchschrecke (Parapleurus alliaceus). Als Bestimmungsliteratur benutzte ich BELLMANN (1985) und für die Dornschrecken zusätzlich HARZ (1957).
Es folgen zusammenfassende Angaben über Verbreitung, Lebensraum und Gefährdung der einzelnen Arten im Wasseramt.
Verbreitung: Die Laubholz-Säbelschrecke ist nicht leicht zu finden, da ihr Gesang sehr unauffällig ist. Zudem sind diese Tiere im Gebüsch sehr gut getarnt. Die wirkliche Verbreitung ist deshalb schwer abschätzbar. Es ergab sich je ein Fundort in Subingen (Mitteilung von Thomas Schwaller) und in Ammannsegg.
Lebensraum: In Subingen sass sie auf einer geteerten Waldstrasse. In Ammannsegg sonnte sie sich im Gebüsch neben einem Waldweg.
Gefährdung: Vermutlich bedroht.
Verbreitung: Nur vier Fundorte in der westlichen Hälfte des UG. Sie ist wie die Laubholz-Säbelschrecke wegen des sehr leisen Gesanges nicht leicht zu entdecken, dürfte aber im ganzen UG ziemlich selten sein.
Lebensraum: In strukturreichen, unbewaldeten Gebieten wie Naturgärten, alten Deponien und ungenutzten Bauplätzen. Sie sitzt gerne auf niedrigem Gebüsch.
Gefährdung: Bedroht.
Verbreitung: Die Verbreitung ist ungewiss, da diese Art sehr schwierig aufzuspüren ist. Eine gezielte Suche war immer erfolglos. Ich sah die Gemeine Eichenschrecke zufälligerweise an fünf Stellen; eine weitere Mitteilung verdanke ich Thomas Schwaller. Aus der Tatsache, dass diese Art in Privatgärten alljährlich erscheint, lässt vermuten, dass sie nicht selten vorkommt.
Lebensraum: Die Gemeine Eichenschrecke lebt gemäss Literaturangaben vor allem im Wald. Sie taucht auch gerne im Siedlungsgebiet auf, woher auch alle sechs Fundorte stammen.
Gefährdung: Vermutlich nicht bedroht.
Verbreitung: Nur im Chlepfibeerimoos in Burgäschi, wo sie nur mässig häufig ist.
Lebensraum: Die Langflüglige Schwertschrecke bewohnt die offene Moorfläche sowie den Hochstaudengürtel und die daran angrenzende Fettwiese am nordwestlichen Moorrand.
Gefährdung: Vom Aussterben bedroht.
Verbreitung: Im ganzen UG verbreitet und örtlich recht häufig. Eine auffällige Häufung von Fundorten zeigte sich bei Oekingen, Horriwil und Bolken. Einige kleinere Verbreitungslücken traten bei der Kartierung wohl oft deshalb auf, da diese Art meist erst im Verlaufe des Nachmittags zu singen beginnt. Da der Gesang sehr laut ist (über 50 m weit hörbar), täuscht sie eine viel höhere Abundanz vor.
Lebensraum: Das Grüne Heupferd kommt in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vor: Wälder, Hecken, Einzelbäume, Agrarkulturen und Gärten. Es ist über dort, wo die Vegetation mehr als einen Meter hoch ist, seltener darunter. Eine Vorliebe zeigt die Art für Mais- und Getreidefelder. Für die Fortpflanzung sind solche Flächen aber eher ungeeignet.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Im ganzen UG mit guten Populationen in Bolken, Biberist und Steinhof. In einigen Dörfern nur spärlich. Gesamthaft gesehen ist sie ziemlich häufig.
Lebensraum: Stellen mit hohem Graswuchs. Besonders gerne auf extensiv oder ungenutzten Flächen mit höchstens zwei Schnitten pro Jahr. Im intensiv genutzten Agrarland lebt die Art nicht selten in Fettwiesen und Getreidefeldern (vor der Ernte). An Orten mit weniger als 20 cm hohem Bewuchs findet man die Art eher selten.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Überall häufig.
Lebensraum: Hauptsächlich in Wäldern an besonnten Stellen mit Gebüsch oder Sträuchern wie Waldränder, Waldwege, Waldlichtungen und Kahlschläge mit Jungwuchs. Daneben auch in Hecken, Böschungen und Gebüsch innerhalb und ausserhalb des Siedlungsgebietes. Die Gewöhnliche Strauchschrecke wandert auch gerne 10 bis 20 Meter oder gar mehr vom Waldrand weg ins Agrarland (vor allem in Getreidefelder), dies besonders dann, wenn der Waldrand im Schatten liegt.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Im dicht besiedelten zentralen Teil des UG sehr selten, sonst ziemlich häufig.
Lebensraum: Waldpartien, wo genügend Sonnenschein bis auf den Boden dringt, wie z.B. Kahlschläge, Waldwege, Waldränder. Stellen mit zu dichter Krautschicht werden gemieden. Ausserhalb des Waldes kommt die Art nur selten in Böschungen und Hecken vor.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Die Feldgrille kommt nur (noch) in der Umgebung des Burgäschisees vor. In Aeschi und Burgäschi ist sie häufig, in Winistorf nur noch vereinzelt. Der Populationsschwerpunkt liegt in der Nähe des Nordwestufers des Burgäschisees.
Lebensraum: Hauptsächlich Dauerwiesen in Seenähe und vereinzelt am schwach geneigten Südhang von Aeschi.
Gefährdung: Bedroht.
Verbreitung: Aus bereits erwähnten Gründen ist mir die Verbreitung dieser Art nur lückenhaft bekannt. Die Maulwurfsgrille dürfte jedoch über grössere Gebiete selten bis gar nicht vorkommen. Nennenswert ist eine Anhäufung von Fundorten im Biberister Giriz.
Lebensraum: Gärten, Bachufer, Wiesen. Die grösste Population fand ich am Nordwestufer des Burgäschisees, wo sie zusammen mit der Feldgrille in einer drainierten Feuchtwiese (jetzt Fettwiese) vorkommt.
Gefährdung: Die Maulwurfsgrille wird vor allem in den Privatgärten rigoros bekämpft, da sie zu Unrecht als grosser Schädling angesehen wird. Sie ist bedroht.
Verbreitung: Zerstreut über das ganze UG. Im Westen etwas häufiger als im Osten. Ich habe die Art ziemlich selten gefunden, sie ist jedoch leicht zu übersehen.
Lebensraum. Die Säbeldornschrecke kann überall angetroffen werden, am meisten auf frischen Kahlschlägen, in Fettwiesen und abgeernteten Agrarkulturen.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Nur vier sichere Fundorte im östlichen Teil des UG. Die Gemeine Dornschrecke kommt wahrscheinlich auch im westlichen Teil vor, wo ich aber keine sicheren Nachweise erbringen konnte. Diese Art ist nicht einfach zu bestimmen und dürfte ziemlich selten sein.
Lebensraum: Waldlichtungen mit einem Anteil unbewachsener Bodenfläche, d.h. vor allem frische Kahlschläge.
Gefährdung: Vermutlich bedroht.
Verbreitung: Es gelangen nur fünf sichere Nachweise im UG. die Langfühler-Dornschrecke ist wie die vorige Art nicht einfach zu bestimmen. Vermutlich ist sie bedeutend häufiger als die vorige, da sie in ganz verschiedenen Lebensräumen angetroffen wurde und ich die meisten Dornschreckenlarven, welche ich im Agrarland angetroffen habe, für Langfühler-Dornschrecken halte.
Lebensraum: Kiesgruben, Kahlschläge, Gärten, Ruderalfluren.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Nebst einer winzigen Population in Lohn kommt die Lauchschrecke nur noch in Steinhof vor, wo sie auf zwei nahe beieinander liegenden Stellen begrenzt, dort aber ziemlich häufig ist.
Lebensraum: Der Fundort in Lohn ist eine sehr kleine extensiv genutzte Mähwiese in südlicher Hanglage. In Steinhof bewohnt die Art eine nach Südosten exponierte steile Mähwiese sowie ein Bachufer, welches nur knapp 200 m davon entfernt ist.
Gefährdung: Stark bedroht.
Verbreitung: Nur im Chlepfibeerimoos in Burgäschi und in einer schwachen Population.
Lebensraum: Die Sumpfschrecke lebt nur innerhalb der offenen Moorfläche an Stellen mit Hochmoorbildung.
Gefährdung: Vom Aussterben bedroht.
Verbreitung: Ein einziger Fundort beim Buechhof in Ammannsegg, nur in wenigen Exemplaren vorhanden. Während der Inventaraufnahme machte sich jedoch eine steigende Tendenz bemerkbar (maximal 23 Exemplare am 10. September 1991), was durch jährliche Kontrollen ermittelt werden konnte.
Lebensraum: Eine etwa 10 m breite extensiv genutzted Wiese entlang eines kleinen Baches inmitten intensiv genutzten Agrarlandes. Der Bunte Grashüpfer hält sich vor allem in der Nähe des Bachufers auf.
Gefährdung: Vom Aussterben bedroht.
Verbreitung: Nur in Biberist, sehr lokal an fünf eng begrenzten Stellen innerhalb weniger Hektaren. Sehr selten.
Lebensraum: Ungedüngte Bahn- und Strassenborde mit 1 bis 3 Schnitten pro Jahr.
Gefährdung: Vom Aussterben bedroht. Beim Erscheinen dieser Arbeit ist der Heidegrashüpfer infolge des Baus der Autobahn N 5 möglicherweise im Wasseramt bereits ausgestorben.
Verbreitung: Im ganzen UG. Im Gebiet östlich von Gerlafingen, südlich von Subingen-Bolken (ausgenommen Steinhof) ist die Rote Keulenschrecke bedeutend weniger häufig als im übrigen UG, wo sie ziemlich häufig ist.
Lebensraum: Besonders in extensiv genutztem Grasland wie Böschungen und Borde. Daneben auch in Fettwiesen, Weiden, Waldlichtungen und an Waldrändern.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Lückenhaft vertreten und nicht häufig; im dichtbesiedelten zentralen Teil des UG bedeutend seltener als in den waldreichen äusseren Regionen.
Lebensraum: Besonders in Wildkrautgesellschaften mit offenen Bodenflächen. Vor allem Waldlichtungen, Waldwege, frische Kahlschläge, Kiesgruben oder ähnliche Biotope, selten im Agrarland.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Im ganzen UG ziemlich häufig bis häufig. Im westlichen teil des UG schien mir die Art häufiger als im östlichen teil.
Lebensraum. Ähnlich wie der Gemeine Grashüpfer in verschiedenen Wiesen-Typen. Der Nachtigall-Grashüpfer stellt aber höhere Ansprüche (vermutlich bezüglich Wärme und Trockenheit) als der Gemeine Grashüpfer und bevorzugt etwas lockerere Vegetation. Auch Ruderalflächen sind bevorzugte Lebensräume dieser Art.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Der Weissrandige Grashüpfer hat einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt im Südosten des UG (östlich von Gerlafingen, südlich von Subingen). Dort ist er nach dem Gemeinen Grashüpfer die zweithäufigste Art. Im übrigen UG ist der Weissrandige Grashüpfer ziemlich selten und wurde in Zuchwil und Luterbach überhaupt nicht gefunden.
Lebensraum: Typischer Lebensraum sind Kunst- und Fettwiesen mit nicht allzu hoher und dichter Vegetation. In Gebieten mit starken Populationen findet man die Art nicht selten auch an Wegrändern, in abgeernteten Getreidefeldern sowie auf Weiden und extensiv genutztem Grasland.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Im ganzen UG, lückenhaft und ziemlich selten. Am meisten Fundorte weist Etziken auf.
Lebensraum: Extensiv genutzte Randflächen wie Böschungen und Borde. die stärksten Populationen erreicht der Wiesengrashüpfer an Bachborden.
Gefährdung: Bedroht.
Verbreitung: Der Gemeine Grashüpfer ist wohl die anspruchsloseste Heuschreckenart. Man findet ihn fast in allen Wiesen und Weiden. Auch grasige Waldwege und Kahlschläge können bewohnt werden. In extensiv genutzten Wiesen ist die Art häufiger als in intensiven. Auf "Englischem Rasen" fehlt aber selbst der Gemeine Grashüpfer.
Gefährdung: Nicht bedroht.
Verbreitung: Nur im Chlepfibeerimoos in Burgäschi, dort aber häufig.
Lebensraum: Der Sumpfgrashüpfer bewohnt nur die offene Moorfläche. Auf dieser Fläche ist seine Zwillingsart, der Gemeine Grashüpfer, nur noch sehr selten vorhanden.
Gefährdung: Stark bedroht.
Ich machte mir schon zu Beginn des Inventares keine Hoffnungen auf eine grosse Artenliste. Meine Erwartungen wurden denn auch mit 24 Arten nur wenig übertroffen. Vor allem die Intensivierung in der Landwirtschaft trägt die Hauptlast an der Verödung der biologischen Vielfalt. Die besten Heuschrecken-Biotope, die Magerwiesen, sind denn auch im Wasseramt bis auf winzige Reste verschwunden. Die artenreichsten noch vorhandenen Heuschrecken-Lebensräume sind neben dem Chlepfibeerimoos frische Kahlschläge, extensiv genutzte Randbereiche wie Borde und Böschungen entlang von Bächen, Strassen und Bahnlinien. Gäbe es zum Beispiel keine Eisenbahn im Wasseramt, wäre der Heidegrashüpfer hier mit Sicherheit längst ausgestorben.
Ein Vergleich mit den Ausführungen von FRUHSTORFER (1921) von der Umgebung des Burgäschisees zeigt, dass ich von den von ihm zitierten Arten drei nicht gefunden habe. Es sind dies der Buntbäuchige Grashüpfer (Omocestus rufipes), die Kleine Goldschrecke (Chrysochraon brachyptera) und die Zweipunkt-Dornschrecke (Tetrix bipunctata). Die Sumpfschrecke beschrieb FRUHSTORFER noch als "sehr gemein", davon sind heute nur noch wenige Exemplare übriggeblieben. Andererseits erwähnt FRUHSTORFER einige Arten nicht, welche ich aber am Burgäschisee ziemlich häufig vorfand. Das bedeutet aber nicht etwa, dass diese Arten damals nicht vorkamen. Das frühere Vorkommen einer Art, des Weissrandigen Grashüpfers, ist ungewiss. Bis vor wenigen Jahren war er in der Schweiz noch nicht bekannt. Ob diese Art früher ganz einfach übersehen wurde, ist nicht mehr festzustellen. Heute kommt der Weissrandige Grashüpfer in der Schweiz stellenweise häufig vor (BAUER 1991 und eigene Beobachtungen). Da diese Heuschrecken oft in Kunst- und Fettwiesen, auch ausserhalb früherer Feuchtbereiche, angetroffen wird, lässt sich folgern, dass es sich um einen anpassungsfähigen Kulturfolger handelt, der sich in den letzten Jahrzehnten in unseren Intensivkulturen ausgebreitet hat.
Mein besonderer Dank gilt Thomas Schwaller (Luterbach). Er hat mich als Biologe fachlich beraten und mein Manuskript kritisch durchgelesen. Im weiteren danke ich Dr. Georg Artmann (Olten) und Bertrand Bauer (Seeberg) für ihre Hilfe bei der Bestimmung der Dornschrecken.
BAUER, B. (1991): Über einige nennenswerte Orthopteren-Funde aus der Schweiz. Mitteilungen der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft 64, 5-7
BELLMANN, H. (1985): Heuschrecken, beobachten – bestimmen. Neumann-Neudamm
FRUHSTORFER, H. (1921): Die Orthopteren der Schweiz. Archiv für Naturgeschichte. A5
HARZ, K. (1957): Die Geradflügler Mitteleuropas. G. Fischer, Jena.
Auf der folgenden Darstellung fehlen der Gemeine Grashüpfer und der Nachtigall-Grashüpfer, da diese nicht kartiert wurden (siehe 4. Kapitel). die Verbreitungskarten mit sämtlichen Fundorten befinden sich beim Autor.

x = mindestens ein Nachweis
Nachfolgend sind die einzelnen Fundorte von Arten aufgeführt, welche an weniger als sechs Stellen gefunden wurden.
Art Koordinaten Gemeinde
Laubholz-Säbelschrecke 607.100/225.575 Ammannsegg
615.750/228.120 Subingen
Punktierte Zartschrecke 610.010/224.800 Gerlafingen
608.650/227.150 Biberist
608.830/228.020 Zuchwil
611.200/229.300 Luterbach
Langflüglige Schwertschrecke 617.750/224.550 Burgäschi
Gemeine Dornschrecke 615.050/228.930 Deitingen
615.100/229.900 Deitingen
615.850/228.910 Deitingen
615.500/223.850 Heinrichswil
Langfühler-Dornschrecke 609.650/227.775 Zuchwil
610.010/224.800 Gerlafingen
610.900/224.935 Gerlafingen
612.200/230.150 Luterbach
614.900/229.300 Deitingen
Lauchschrecke 606.350/224.450 Lohn
619.400/223.200 Steinhof
619.550/223.075 Steinhof
Sumpfschrecke 617.750/224.550 Burgäschi
Bunter Grashüpfer 606.600/225.650 Ammannsegg
Heidegrashüpfer 608.210/227.175 Biberist
608.300/227.335 Biberist
608.450/227.065 Biberist
608.650/226.875 Biberist
608.775/227.025 Biberist
Sumpfgrashüpfer 617.750/224.550 Burgäschi

Abbildung 2
Rösels Beissschrecke
(Männchen)
Abbildung 3
Weissrandiger Grashüpfer
(Weibchen)
Abbildung 4
Rote Keulenschrecke
(Männchen)
Fotos: K. Eigenheer
Nachtrag vom 23. Februar 2004
Diverse Adressen aufgeführter Personen stimmen nicht mehr.
Seit Abschluss des Inventars sind noch folgende Arten neu entdeckt worden:
Zwitscherschrecke Tettigonia cantans
Eine Beobachtung am Ostufer des Burgäschisees. Datum nicht mehr bekannt. Konnte in den Folgejahren nicht mehr bestätigt werden.
Blauflügelige Sandschrecke Sphingonotus caerulans
U.a. am 21.7.1996 10 Ind. auf dem Industrieareal der Stahl Gerlafingen AG in Biberist. Besiedlung wahrscheinlich nicht dauerhaft.
Kleine Goldschrecke Chrysochraon brachyptera
Ein Fundort bei Luterbach/Deitingen. Datum nicht mehr bekannt. Mitteilung von Hannes und Bertrand Bauer. Besiedlung nicht dauerhaft.
1997 ist der im Bericht angekündigte Verbreitungsatlas der Orthopteren der Schweiz erschienen. Er kann bezogen werden beim Centre suisse de cartographie de la faune, Neuchâtel.